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Initiative Stolpersteine
Stolpern
Initiative "STOLPERSTEINE"
Der Satzung des Bundes der Antifaschisten Treptow
gemäß gehört es zu seinen Zielen, Faschismus und Neofaschismus, Rechtsextremismus
und Rassenhass entgegen zu treten. Zugleich gilt es aber auch, gegen
die Gleichgültigkeit.zu kämpfen, denn Gleichgültigkeit ist der Gegner
von Menschlichkeit! Wir denken, dass uns STOLPERSTEINE dabei helfen
können. Denn die Steine sind dem Gedenken an die Opfer des Nazi-Regimes
gewidmet. Sie erinnern an Gewesenes, das nie vergessen werden darf.
Auch sind sie dazu bestimmt, dass Menschen heutiger und späterer Generationen
bei ihrem plötzlichen Anblick im übertragenen Sinne STOLPERN und verharren,
ins Grübeln über die Bedeutung dieser Gedenksteine kommen, das menschenfeindliche
Wesen des Faschismus wahrnehmen. STOLPERSTEINE sollen dazu beitragen,
dass Menschen nicht gleichgültig sind, sondern sich der Fremdenfeindlichkeit,
dem Rassenhass und dem Antisemitismus entgegenstellen. Die STOLPERSTEINE
sind 10x10 cm große Messingplatten, mit den eingravierten Namen und
Lebensdaten, Daten und Zielen der Deportationen von Männern und Frauen,
von Kindern und Greisen, eingemauert im Gehweg vor den Häusern, in
denen die Ermordeten einst gelebt hatten. Wer aufmerksam durch Berlin
geht, wird über viele solcher Steine STOLPERN. Von mindestens 170
Treptower Juden wissen wir, dass sie in der Zeit von 1941 bis 1943
von den deutschen Faschisten vor den geschlossenen oder oft auch offenen
Augen ihrer Nachbarn deportiert und in den Tod geschickt wurden. Auch
andere ereilte dieses Schicksal - denken wir an Sinti und Roma, an
Andersdenkende und politisch Verfolgte, an Bekennende Christen, an
Angehörige von Sekten, an verfemte Homosexuelle, an Opfer der Euthanasie
und an viele mehr, die einfach verschwunden sind. Denken wir an die
Unzähligen, für die es nirgendwo ein Grab gibt. Auch ihnen wollen
wir STOLPERSTEINE setzen. Aus diesem Grund haben wir uns 1995 der
von dem Kölner Bildhauer Gunter Demnig ins Leben gerufenen Initiative
angeschlossen. Bundesweit hat der Künstler bereits etwa 6000 STOLPERSTEINE
angefertigt und verlegt! Auch in Treptow sollten unsere Mitbürger
über das Schicksal der Opfer von Faschismus und Rassenwahn STOLPERN.
In diesem Sinne haben wir als eine unserer Aktionen die Arbeitsgruppe
"Initiative STOLPERSTEINE" geschaffen. Ermöglicht durch Spenden und
mit Unterstützung der Bezirksverordnetenversammlung und des Bezirksamtes
Treptow-Köpenick liegen nun nach langer Vorbereitung seit dem 9. Juni
2005 in Treptow die ersten STOLPERSTEINE: Sie erinnern an 5 Mitglieder
der Familie Lustig/Seelig/Gottfeld vor der Haustür Rethelstraße 6a
in Nord-Treptow und an das Ehepaar Baerwald vor dem Haus Dörpfeld-Straße
23 in Adlershof. Weitere STOLPERSTEINE werden folgen. Wiederum sollen
die Gedenkstunden zur Einweihung würdig und eindrucksvoll durch Schülerinnen
und Schüler vorbereitet und gestaltet werden.
Übrigens ist der Bund der Antifaschisten Treptow immer dankbar für Informationen über Menschen,
die ein ähnliches Schicksal erlitten haben und für die es STOLPERSTEINE geben sollte.
Es könnten auch Patenschaften übernommen oder etwas zur Finanzierung beigetragen werden
(ein Stein kostet 95 €, Verwaltungskosten entstehen nicht).
Wir wollen keines der Opfer vergessen!
Bund der Antifaschisten Treptow e.V. ,
Konto Nr. 581070102 bei der Postbank Berlin
BLZ 10010010, Kennwort "STOLPERSTEINE"
Für Spendenbescheinigung bitte Namen und Anschrift angeben..
Stolpern, heißt auch darauf stoßen
Am 9. Juni 2005 wurden in Adlershof die ersten
zwei Stolpersteine eingeweiht. Sie liegen Dörpfeldstraße 23 Ecke
Friedenstraße. Adlershofer Bürgerinnen und Bürger, Schülerinnen
und Schüler der Leistungskurse Geschichte der Anna-Seghers-Schule
waren beteiligt. Letztere hatten ein kleines Programm vorbereitet,
dass dem Anlass angemessen war. Die Namen der dreißig jüdischen
Opfer des Nationalsozialismus wurden verlesen, etwas zur Geschichte
des Ortes aus dieser Zeit, vom Ortschronisten Rudi Hinte zusammen
getragen, wurde verlesen. Frau Mendel, Bezirksstadträtin und Tochter
eines Antifaschisten, der Jahre seines Lebens in Konzentrationslagern
gelitten hatte, sprach sehr persönliche Worte. Blumen wurden nieder
gelegt. Der Gemüsehändler von der anderen Straßenseite erklärte
seinen Kunden, um was es denn bei der Veranstaltung geht. Leute
blieben stehen, sahen sich die beiden Steine an. Vielen von ihnen
wird bekannt sein, dass es bei den Stolpersteinen darum geht, sich
an die Vertreibung und Vernichtung von Juden, Sinti und Roma, politisch
anders Denkender, Homosexueller, Bibelforscher und Behinderter Menschen
durch die Nationalsozialisten zu erinnern. Initiiert wurde diese
Form des Erinnerns durch den Künstler Gunter Demnig. Ich bin ihm
für diese Idee persönlich sehr dankbar. Durch die Verlegung der
Steine in der Skalitzer Straße haben meine Großeltern ein Grab und
ich einen Platz, zu dem ich gehen kann. Wenn auch nichts von ihren
Körpern dort ist, so sind sie doch nicht vergessen. Menschen lesen
auf der 10 mal 10 cm großen Messingplatte, dass sie dort gelebt
haben und in Auschwitz getötet wurden. Vielleicht fragt der eine
oder andere Anwohner nach dem Wie und Warum. Und vielleicht denken
sie darüber nach, dass alle Menschen das Recht haben zu leben, egal
welche Lebensweise sie haben oder wie sie religiös gebunden sind.
Die ersten beiden Stolpersteine in Adlershof wurden zwei Menschen
gewidmet, die hier von 1896 bis 1933 gelebt und gearbeitet haben.
Wilhelm Baerwald und seine Frau Margarethe, geborene Grünberg. Sie
müssen 1896, er damals neunundzwanzig, sie vierundzwanzig Jahre
alt, nach Adlershof gezogen sein. Wilhelm Baerwald war seit 1896
Mitglied der Synagogen - Gemeinde Köpenick, die 1892 auf Drängen
des Regierungspräsidenten von Potsdam und auf Veranlassung des damaligen
Köpenicker Bürgermeisters Borgmann gegründet wurde. Viel eher wäre
das auch nicht möglich gewesen. Es gab einfach zu wenige jüdische
Männer in unserem Verwaltungsbezirk. Durch die Liste der wahlberechtigten
Gemeindemitglieder wissen wir von Wilhelm Baerwald. Damals lebten
er und seine Frau in der Bismarckstraße 6 (heute Dörpfeldstr.23),
in dem Eckgeschäft, in dem heute die Optiker Hidde & Miethke arbeiten.
Bis 1933 haben Baerwalds ihr Geschäft für Kurz und Weißwaren, Herrenartikel
betrieben. Ob sie sich vor oder nach dem 1. April 1933, dem Tag
des großen Boykotts aller jüdischen Geschäfte in Deutschland, zur
Aufgabe des Geschäftes entschlossen haben, kann ich nicht mit Bestimmtheit
sagen. Damals war er 66 und sie 62 Jahre alt. Als sie am 14.September
1942, ein dreiviertel Jahr nach der Wannsee-Konferenz , mit dem
2.großen Alterstransport nach Theresienstadt deportiert wurden,
waren sie 75 und 71 Jahre alt. Im Gedenkbuch der Opfer nationalsozialistischer
Gewaltherrschaft in Deutschland von 1933-1945 steht, dass Wilhelm
Baerwald im Mai 1943 starb. Von seiner Frau, Margarethe, ist nicht
einmal der Monat oder das Jahr ihres Todes bekannt.
Monika Becker
Wo sind bisher Stolpersteine in Treptow-Köpenick gelegt ?
2003
für Dr. Georg Eppenstein Opfer der
Köpenicker Blutwoche Salvador-Allende-Str. 43-45 mit der
Merian-Oberschule und dem Bürgerverein Allende-Viertel Köpenick
e.V.
2005
für Ehepaar Hedwig und Leo Lustig ermordet
in Auschwitz
für Ehepaar Ingeborg und Max Seelig und Frau Selma Gotthelf
ermordet in Riga Rethelstr. 6a mit der Bouche`-Grundschule
für Ehepaar Margarethe und Wilhelm Baerwald ermordet in Theresienstadt
Dörpfeldstr. 23 Ecke Friedenstraße mit der Anna-Seghers-Oberschule
für Ehepaar Clara Fichtmann ermordet in Auschwitz und Leo
Fichtmann erschossen in Sachsenhausen Albert-Einstein-Str.
15 mit der Anna-Seghers-Oberschule
für Ehepaar Rosa Bernstein ermordet in Theresienstadt und
Bruno Bernstein ermordet in Auschwitz Alt-Köpenick 18
mit der Flatow-Oberschule
für Otto Dunkel als KZ-Häftling mit der "Cap Arkona" am 3.Mai
1945 in der Ostsee versenkt Spreestr. 1 mit der Anna-Seghers-Oberschule,
dem Archenhold-Gymnasium und dem Otto-Dunkel-Chor. Dieser Stein
wurde gestohlen und am 28.10.2005 mit einer großen Kundgebung neu
verlegt.
2006
für Pfarrer Werner Sylten ermordet im Schloss Hartheim bei
Linz, Ostendorfstr. 19 auf Initiative seiner Söhne mit der
Evangelischen Schule Köpenick und dem Bürgerverein Wendenschloß
für Mathilde Müller und die Tochter Margot Willdorf ermordet
in Auschwitz, den Sohn Rudolf Willdorf ermordet in Riga Königsheideweg
269 mit der 10. Schule - Gymnasium
Für die Brüder Franz Kirsch gestorben im Zuchthaus Brandenburg
und Fritz Kirsch ermordet im KZ Sachsenhausen Wassermannstr.
69 mit dem Jugend- Projekt Kontrollverluste
Hier noch einige organisatorische Angaben: Ein Stein kostet
95 €. Bisher wurde dieses Geld durch private Spenden, Sammlungen
und Patenschaften aufgebracht. Für den Bezirk Treptow-Köpenick sind
inhaltliche und technische Erfordernisse in einer Rahmenvereinbarung
zwischen dem Bezirksamt Treptow-Köpenick von Berlin und den BdA
Treptow und Köpenick festgelegt. Für Berlin besteht eine Koordinierungsstelle
Stolpersteine mit Sitz in der Gedenkstätte Deutscher Widerstand,
die die Wünsche aus den Bezirken auf Verlegung sammelt und mit dem
Künstler Demnig organisiert.
Tel. 263 98 90 14 e-mail: Stolpersteine@GDW-Berlin.de
Kontaktadressen für Stolpersteine:
Bund der Antifaschisten Treptow e.V. Kiefholzstr. 275 in 12437 Berlin
Tel. 53 286 44 E-mail: bda-treptow@web.de oder Frau Nisch Tel. 0179
344 3190
VVN-Bund der Antifaschisten Köpenick e.V. Puchanstr.12 in 12555
Berlin Donnerstag von 15 - 17 Uhr Tel. 65 714 67 sonst Frau Wichmann
65 163 67 E-mail: Hanna.Wichmann@gmx.net
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